Richard Hinsberger über die Tücken des Tanzens und soziale Medien
Tanzlehrer Richard Hinsberger spricht über die Herausforderungen beim Tanzen, die Gefahren von Social Media und die Bedeutung von Körpersprache – sowohl auf dem Parkett als auch im Alltag.
Als ich das erste Mal Richard Hinsberger beim Tanzen sah, fiel mir sofort auf, wie er mit seinen Schülern umging. Es war nicht nur die Präzision seines Bewegungsablaufs, die beeindruckte, sondern vielmehr die Art und Weise, wie er die Menschen in der Tanzschule anleitete. Mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und einem Schuss Ironie erklärte er die verschiedenen Schritte, wies auf die „Red Flags“ hin, die beim Tanzen auftreten können – und das nicht nur im wörtlichen Sinne, sondern auch in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Tanzen ist, wie Hinsberger oft sagt, eine Kunstform, die weit über das bloße Bewegen der Füße hinausgeht. Es ist die Fähigkeit, sich auf sein Gegenüber einzustellen, den Raum um einen herum zu lesen und die Körpersprache des Partners zu interpretieren. Soziale Medien, die heutzutage allgegenwärtig sind, haben die Art und Weise, wie wir kommunizieren und uns präsentieren, stark beeinflusst. Die perfekte Pose auf Instagram hat oft nichts mit der Realität des Tanzens zu tun. Die Gefahr, dass man sich selbst inszeniert und dabei die eigentliche Verbindung zum Partner verliert, ist groß.
„Es gibt kein falsches Gefühl beim Tanzen, nur falsche Schritte“, sagt Hinsberger mit einem leichten Schmunzeln. Diese Aussage lässt sich leicht auf andere Lebensbereiche übertragen. Wie oft haben wir im Alltag das Gefühl, uns falsch zu verhalten, während wir in Wirklichkeit nur versuchen, uns selbst treu zu bleiben? Das Tanzen fordert dazu auf, sich selbst zu akzeptieren, genauso wie man ist – auch mit zwei linken Füßen.
Um die Metapher des Tanzes weiterzuführen: das Streben nach Perfektion kann in der Tanzschule zu einem weiteren Problem werden. Schüler, die sich mit den Instagram-Standardbildern vergleichen, verlieren schnell die Freude an der Bewegung. Hinsberger hat dies oft erlebt, wenn er seine Schüler beobachtet, die an den Spiegeln vorbei in der Hoffnung tanzen, besser auszusehen als die Tänzer neben ihnen. Doch im Kern des Tanzens geht es eben nicht darum, wie man aussieht, sondern wie man sich fühlt.
Hinsberger ist nicht nur ein Tanzlehrer, sondern auch ein Menschenbeobachter. Er ist überzeugt, dass die „Red Flags“ beim Tanzen oft die gleichen sind wie im Leben. Wenn eine Person im Tanzkurs ständig ihren Partner unterbricht, nicht auf die Musik hört oder sich nicht an die Schritte hält, bleibt das auch in anderen Lebensbereichen nicht ohne Folgen. Diese Verhaltensweisen können auf Kontrolle und Unsicherheit hindeuten. „Manchmal ist es nicht nur der linke Fuß, der falsch ist“, erklärt er. „Es sind auch die Emotionen, die da nicht passen.“
In Zeiten von Social Media entsteht eine weitere Dimension der Selbstdarstellung, die das Tanzverhalten beeinflusst. Die ständige Vergleichbarkeit über Plattformen wie Instagram führt dazu, dass viele Menschen ihr Selbstwertgefühl an die Anzahl der Likes und Kommentare knüpfen. „Es ist absurd, sich beim Tanzen von einem Algorithmus beurteilen zu lassen“, lacht Hinsberger. „Aber genau das passiert. Menschen vergessen, dass der wahre Wert in der Verbindung zu ihrem Partner und in der eigenen Freude am Tanz liegt."
Nichts ist erniedrigender, als zu versuchen, die neuesten Tanztrends nachzutanzen und dabei den eigenen Stil zu verlieren. Hinsberger rät seinen Schülern stets, die eigene Individualität im Tanz zu bewahren und sich nicht von den externen Erwartungen leiten zu lassen. „Die Menschen um dich herum sind nicht deine Kritiker, sondern deine Partner auf dem Parkett“, sagt er eindringlich, als würde er mit einem aufmerksamen Schüler sprechen.
Am Ende bleibt der Tanz ein Spiegelbild unserer sozialen Interaktionen. Wenn wir lernen, uns beim Tanzen zu öffnen und Verletzbarkeit zuzulassen, können wir auch die Lektionen auf unser Leben übertragen. Richard Hinsberger hat nicht nur die Fähigkeit, den Menschen das Tanzen beizubringen, sondern auch, sie auf die Tücken des sozialen Miteinanders hinzuweisen – sei es auf dem Parkett oder im Alltag. So wird der Tanz für viele nicht nur zu einem Hobby, sondern auch zu einem Weg, sich selbst und andere besser zu verstehen.
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